bonn on tape

Einzelausstellung 28.10 bis 08.12.2016
Das Esszimmer, Bonn

 

 

Das Esszimmer

Das Esszimmer – Raum für Kunst+

Mechenstrasse 25

53129 Bonn-Kessenich

+49 (0)228 538 766 12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transparent Tape Machine / Transparent Audio Tape

Diese Maschine erzeugt Geräusche, indem sie transparentes Klebeband abtastet. Das Laserlicht durchleuchtet transparente Bänder und ein Lichtsensor wandelt die Lichtimpulse direkt in Klang um. Auf den Klebebändern befinden sich Staub und andere kleinere Partikel. Die Anordnung der Staubpartikel erzeugt Unterbrechungen des Lichtsignals, sodass ein Klangspektrum von einzelnen Knackser, über rhythmisches Knacksen bis hin zum Rauschen entsteht.

In Bonn sind vor allem Klebe(Ton)bänder angefertigt worden, die den Staub an den Zäunen der ehemaligen Botschaften aufgenommen haben.

Neben den transparenten Klebebändern gibt es VHS-Tapes, die mit Klebebändern so bearbeitet worden sind, sodass nur noch Reste der magnetischen Schicht auf dem Trägerband sind.

 

// 2016, DIY -Tape Machine für transparente Klebebänder und VHS-Bänder: Elektronik, Aluminium, Acrylglas,  0,5 x 0,5 x 2,2 m

// 2016, tape loops aufgezeichnet in Bonn, Köln und in Tilburg (NL),

Länge je ca. 2,0m

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einfriedung: USA, Iran, Jugoslawien

3 Acrylglasplatten mit dunklen Kleberesten hängen an der Wand. Die Reste stammen von VHS-Bändern, die mit Klebebändern auf die Platten angebracht und wieder abgerissen worden sind. Die Rückstände bilden Muster in vertikalen Streifen: Transparenz und Tape wechseln sich ab.

Hinter diesen Scheiben kann man Bilder erahnen. Auf den Laser-Ausdrucken sind Gebäude zu sehen. Sie zeigen die ehemaligen Botschaftsgebäude der USA, des Iran und des ehemaligen Jugoslawien.

Würde man die VHS-Bänder, sofern sie noch Ganz wären, in einem Videorekorder abspielen, würde man ebenfalls diese Gebäude sehen. Die Video-Aufnahmen sind 2016 während des Aufenthalts in Bonn entstanden. Die Botschaften waren längst nicht mehr in den Gebäuden ansässig.

Die Produktion von VHS-Tapes wurde in Deutschland Ende der 1990er eingestellt. Die Verkaufszahlen schmolzen Anfang der 2000er rapide, bis es ca. 2010 keine offiziellen Verkaufszahlen mehr gab. In der ähnlichen Dekade verlor Bonn die Funktion als Hauptstadt. Der Höhepunkt des Umzugs war ca. 1999 abgeschlossen.

Somit wechselte der Regierungssitz und auch die Botschaften wechselten den Standort. Das Gebäude der ehemaligen US-Botschaft wird heute von einem Bundesamt genutzt. Das Botschaftsgebäude Irans steht zu Verkauf und verfällt. Das Botschaftsgebäude des ehemaligen Jugoslawien steht inmitten einer Wohnsiedlung. Da es den Staat an sich gar nicht gibt, gibt es keinen nominellen Kontakt, der sich für das Gebäude verantwortlich fühlt. Die Gebäude sind zu Abbilder der Geschichte mit ihren eigenen Geschichten geworden.

Die Gebäude wurden auf VHS-Band aufgezeichnet und dessen Materialität wurde abgerissen und zerstört.

Die gewollte Analogie zwischen vergänglicher Materialität von Medien und der vorübergehenden Funktion von Gebäuden mag platt erscheinen. Doch die Vergänglichkeit von Staaten zeigt sich in Bonn einmalig anhand dieser Botschaftsgebäude. Die Video-Bänder übertragen diese Zerbrechlichkeit auf die visuelle Ebene und stellt die Frage nach der Beständigkeit von Staaten und Medien im Verlauf der Zeit.

 

// 2016, 3 Objekte je mit VHS-Tape, Klebeband auf Acrylglas  0,25x0,50m und InkjetPrint auf 0,15x0,15m

 

 

 

 

 

2,339 m/s

An der Wand sind 32 DIN A4 Blätter einander gereiht. Sie sind bedruckt mit Listen. Das gesamte Bonner Straßennetz ist alphabetisch aufgelistet. Zu den Namen gibt es weitere Angaben: Länge in Metern, Zeit in Minuten und Stunden, Kassettenanzahl in Stück.

Die Längen sind aus einem Datensatz erhoben, und die Zeiten ergeben sich durch die Berechnung wie lange man braucht, um die jeweilige Straßenlänge mit der Geschwindigkeit eines VHS-Tapes (2,339m/s) abzuschreiten.

Es ergibt sich, dass man ca. 550 Tage benötigen um das Straßennetz zu bewältigen. Ebenso lang wäre die  Abspielzeit eines möglichen Video-Archivs - Google-Streetview auf Video. Ein absurder Gedanke, eine Adresse aus einer Videothek mit mehr als 3300 Videokassetten herauszusuchen. Spulen, Spulen, Spulen.

Die Frage nach dem Sinn dieses Videoarchivs stellt sich sobald man das Ergebnis errechnet hat. Gedankenspiele werden gemacht, wie der Aufzeichnugnsprozess erfolgen soll, wo das Archiv einen Ort finden könnte, wer diese Zeit aufbringen kann, um es zu erstellen.

Grundsätzliche Fragen an ein Archiv, an eine Sammlung von Daten und Information. Die man all zu schnell unter den Tisch fallen lässt, wenn man eine Datensammlung oder ein Archiv nutzt. Doch wenn ein es keinen Nutzen hat? Dann tauchen diese grundsätzlichen Fragen wieder auf.

 

// 2016, Inkjet-Print auf DIN A4 Papier, 32 Blatt, 2,5x1,5m

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Visual Loops

Bei der Herstellung der transparenten Audio-Loops für die DIY-Tape-Maschine, sind einige interessante VHS-Tapes entstanden, die sowohl als Audio-Loop wie auch als visueller Loop funktionieren. Diese visuellen Strukturen und Muster sind einzigartig in ihrer Erscheinung. Um sie zu zeigen wurden die "Visual Loops" um einen 8mm-Filmprojektor, samt Tisch gespannt und mittels Vergrößerungsglas auf die Wand projiziert.
Obwohl diese Tapes keinen hörbaren Klang erzeugen, produzieren sie einen unerhörten Klang in unserer Vorstellung. Denn sie könnten auf der DIY-Transparent-Tape-Machine abgespielt werden, die sich allerdings in einem anderen Raum befindet.

Und obwohl nur eine Abspielapparatur, Filmprojektor oder Tonbandmaschine, das Band durchleuchtet, sind Bild und Klang untrennbar mit dem Medium verbunden.

 

// 2016, Video-Tape-Loops,
Filmprojektor, ca. 0,4 x 0,5 x 1,2m, Projektion 0,8 x 0,5 m

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

On/Off: X-Files

Bei der Herstellung der transparenten Audio-Tape-Loops für die DIY-Tape-Maschine, sind VHS-Tapes und transparentes Klebeband ungewollt aneinander gekommen.

Der Prozess des gegenseitigen Abziehens produziert zufällig angeordnete Reste der Magnetschicht.
Ordnet man das Tape nun als horizontale Streifen auf einem Rahmen an, ergeben sich Strukturen die an DNA, an BIG-DATA erinnern, da sie sowohl in der Gesamtheit als auch im Detail unerwartete Muster zeigen.

Da sich nicht nur die Klebekraft des Tapes, oder der Winkel oder die Kraft des Abreissens auf die  Muster auswirken, sondern auch die magnetische Struktur der VHS Tapes, ist der nicht sichtbare Inhalt des Speichermediums gegenwärtig (In diesem Fall 4 Folgen der TV-Serie "Akte-X")

 

// 2016, Video-Tape, transparentes Klebeband, Aluminium,v

1,3 x 2,1 x 0,03 m

 

 

(c) 2017 Jens Standke // Impressum